… Miri- Wege zur Zufriedenheit. Es geht weiter.
Zunächst einmal: der Gatte raucht wieder. Eigentlich raucht er nicht „wieder“ sondern jetzt erst überhaupt.
Bis vor 2 Jahren niemals eine Zigarette angerührt, raucht er jetzt eine halbe Schachtel pro Tag. Im Keller. Und in der Gartenhütte.
Bezogen auf Ollis und meiner These („Wenn man geistig Stress hat, ist das auch für den Körper ungesund…usw.) muss ich sagen: „Geistiger Stress“?
Ich hab ihn verschlissen.
Seit ich mich emanzipiere auf dem Weg zur Zufriedenheit, hat der Gatte gelernt, sich sein Bier selbst aus dem Keller zu holen (und mir auf Zuruf auch eins mitzubringen), meine Blusen nicht mehr in den Trockner zu werfen, den Staubsauger nach der Wohnungssäuberung zurück in den Keller zu stellen, das Bad zu putzen und Nahrung zuzubereiten (Ok. Wir haben jetzt auch wieder „Fix“ im Schrank…). Außerdem lässt er mich alleine urlauben, ohne mir meinen restlichen Schrankinhalt hinterher zu werfen und die Schlösser auszutauschen.
Dafür habe ich letztens seinen 200 EUR Lieblingswollpulli kaputt gewaschen.
Rollentausch?
Männer, schluckt einmal und atmet tief durch. Ihr könnt nachvollziehen, was das für einen Mann bedeutet (Nein, nicht den Pulli mein ich, sondern den Rest).
Der Gatte fühlt sich entmannt. Und Mädels, hatten wir das Thema nicht kürzlich? Wer will schon einen Mann mit Kochschürze?
Beruhigt stelle ich aber fest: der Gatte trägt keine Schürze.
Außerdem hat er dank Kurzarbeitszeiten voller Männlichkeit vorletzte Woche den Wäschekeller verputzt, letzte Woche gefliest und diese Woche Trockner und Waschmaschine neu angeschlossen, sowie eine Kellertür gebaut, beschlagen und lackiert. Nächste Woche wird er streichen. (Das muss man alles auch mal erwähnen…)
Ein Traum? Ja. Ich kann´ s kaum glauben…
… und er kaum ertragen.
Ihr erinnert Euch? Rauchen? Geistiger Stress?
Erst mal loben. Das soll pädagogisch sinnvoll sein, habe ich irgendwann mal gelernt.
Und spitzfindige Kommentare nicht zu ernst nehmen.
Er hat´ s grad nicht leicht.
„…mit dem Leben fertig werden…“ sag ich da nur.
Das gaaaanze Leben ist ein… Quiz? Nein eher ein Kampf. Oder doch ein Quiz? Sind Quiz und Kampf nicht auch irgendwie artverwandt?
Masterfrage: Wo bitte geht´ s zur Zufriedenheit?
Am besten für alle, aber erst mal für den einzelnen. Denn wer mit sich selbst zufrieden ist, kann auch den Rest besser ertragen.
Einige Themen zur geistigen Zufriedenheit hatten wir ja letzte Woche bereits.
Nun kommen wir zur körperlichen Zufriedenheit.
In der Blüte des Lebens angelangt, beginnt der Körper nachweislich bereits ab dem 25. Lebensjahr wieder langsam abzubauen.
Dumm, wenn man aus Zeitgründen dann auch noch genau zu diesem Zeitpunkt das Fitnesstraining vernachlässigt.
Bedauerlicher Weise muss ich wohl sagen, dass ich meinen körperlichen Bestzustand, den ich noch mit etwa 23, 24 Jahren hatte, danach nie wieder erreicht habe.
Aber jetzt: Miri im Fitnessstudio.
Ich beginne von vorne:
Die Suche:
Ich war bereit.
Ich wusste, was ich wollte.
Und ich wusste, was ich brauchte.
Und so begab ich mich auf die Suche nach einem, der mir geben konnten, was ich brauchte.
(Na Männer? Wenn eine Frau tatsächlich weiß was sie will und braucht, sind das doch schon mal gute Grundvoraussetzungen für eine dauerhaft Bindung- oder?)
Ich war Bindungsbereit. Für ein Fitness- Abo.
Nun bin ich sicherlich nicht einfach (hey, ich bin ne Frau!), aber bindungstechnisch echt unkompliziert.
Was ich wollte: gute Geräte, unaufdringlichen Mitmenschen, gute Erreichbarkeit, günstiger Preis. Nicht zu viel verlangt, will ich meinen.
Mein Ex- Arbeitsgeber schied aus.
Das Lifefit war in Pusemuckel, meine Ansprüche auf Sonderkonditionen verjährt und Frank hatte seinen Wunsch nach stetiger Expansion erfolgreich vorangetrieben.
„Wellness und Gesundheitssport“ hatte er sich auf die Brust geschrieben.
Wo früher noch der Polizist neben dem Lehrer neben der Arzthelferin neben dem Versicherungsfachmann trainierte, trifft man heute gutbetuchte Familien, Karriere- Singles und Rentner.
Ja. Die konsumieren gut an der Theke- ich weiß das. Und zahlen gerne horrende Monatsbeiträge.
Sauna? Brauch ich nicht. Der Gatte baut dieses Jahr eine Außensauna. Mit Luxus- Blick ins Tal.
Kinderhort? Dazu muss ich jetzt nichts sagen.
Kurse? „1,2, Step“? Ohne mich!
War die Auswahl an Fitnessstudios im ruhrpottnahen Unna und Holzwickede noch vielfältig, so muss man Richtung Sauerland schon suchen.
„Weg aus der Mittelmäßigkeit“, sag ich da nur noch einmal. Und das gilt nicht nur für mich, sondern ganz offenkundig hier auch für die Studioauswahl.
Super- Wellness für 60 EUR oder Fabrikhallenflair für 14,90 EUR?
Wir schließen die Augen:
Langsam bewegen wir uns durch eine dezente Glastür mit stilvollem Satino- Schliff. Die gut aussehende junge Frau an der Theke lächelt uns freundlich entgegen. Sie wirft ihr Haar zurück. Ein durchtrainierter, wohl gebräunter Mann steht neben ihr und bewegt sich nun kraftvoll auf uns zu.
„Hallo, ich bin Thomas. Hatten wir den Termin zum Probetraining?“
„Bestimmt.“ lechzen wir.
„Na dann leg erst mal ab, ich zeig Dir alles und begleite dich zur Umkleide.“
„Schatzi, du kannst mir ALLES zeigen..“ geht uns durch den Kopf. „du kannst mich auch IN die Umkleide statt nur dorthin begleiten…“ (Männer, vielleicht stellt Ihr Euch an dieser Stelle lieber die nette Brünette von der Theke vor…)
Wir ziehen uns um.
Thomas erwartet uns an der Theke.
Zwei Mädels trinken coktailartige Wellness- Drinks. Ein älterer Herr liest intellektuelle Lektüre.
Lauter schöne Menschen.
Braun, durchtrainiert. Nicke, Puma und Co kommen mir entgegen. Kaum verschwitzt und gut- riechend.
Ich schwebe…
Meine Haare sind praktisch zusammengebunden. Parfum hatte ich nach der Arbeit nicht mehr nachgelegt. Zu einer –zugegeben- Marken- Sporthose trage ich ein einfaches Decathlon- wenig- EUR- Baumwollshirt. Mein Handtuch passte optisch nicht zum Outfit. Mein Shirt war farblich nicht abgestimmt mit meinen Schuhen.
Blick nach links: Blondi schüttelte ihr langes Haar aus dem geschminkten Gesicht und musterte mich kritisch.
Thomas lächelte.
Und dann zeigte er mir alles:
„Achte immer auf deinen Puls. Du darfst nicht zu sehr Gas geben…“
Weg aus der Mittelmäßigkeit?
Nein… Thomas konnte mich nicht befriedigen…
(Ich weiß nicht, wie´ s mit Euch ist?
Und Männer? Was ist mit der Brünetten? Blondi wäre bestimmt auch noch im Angebot. Die roch auch gut…Und ihr pinkfarbenes Oberteil passte zum pinkfarbenen Handtuch, welches hervorragend mit den zartrosa- abgesetzten Schuhen harmonierte.)
Weg aus der Mittelmäßigkeit? 14,90 EUR.
Billig? Da stehst´e doch drauf! Ich nicht wirklich- aber man muss ja mal offen sein für Neues.
Ich betrat die Fabrikhalle.
Ein Drehkreuz trennte mich von der Trainingsfläche.
An der Theke stand niemand. Es gab keine Zeitschriften, keine Fruchtcoktails.
Theodoris kam auf mich zu. Er war Grieche.
Ich sagte: „Probetraining?“
Er: „Kein Termin? Kein Problem! Kennst Du dich nen bisschen aus? „
Miri: „Jepp.“
Theo: „Kommst Du alleine klar?“
Miri: „Ich kann´ s auch alleine.“
Theo: „Hier Schlüssel für den Schrank, Umkleide ist hinten rechts.“
Keine Frau in Sicht. Doch eine. Im Decathlon- Shirt.
Ansonsten: wenig los. Einige wenige nicht deutsch sprechende Männer vergnügten sich im Freihandelbereich, schauten aber auch eher selten herüber zu mir.
Ein älterer Herr schwitze lächelnd auf dem Fahrrad.
Musik? Eins Live.
Zuerst auf den Cross- Trainer. Erst mal warm machen. Entspannt arbeitete ich mich vor.
Sch… auf die Pulsanzeige.
Stufe 5, Stufe 6, Stufe 7… eine Schweißperle rann über meine Stirn.
50 Kcal. – Schon ein chocolate- covered Oreon- Keks verbrannt. (Wieviel davon hatte ich heut Mittag gegessen..? )
60 kcal, 65. Weiter geht´s. Aber: nicht alle Energie sofort verschwenden!
Nach 20 Minuten hatte ich den zwei Oreons, der Eiscreme und- keine Ahnung wem und was noch- den Weg auf die Hüften verwehrt.
Weiter ging ´s an die Geräte. Die Frau beschäftigte sich weiter auf dem Cross- Trainer. Mit Buch.
Freie Auswahl. Ein Traum.
Ein paar Typen hatten sich von den Hantelmännern abgesetzt, störten mich aber wenig.
Zwei Stunden später lag ich glücklich und entspannt im Sitz meines Autos.
Ich hatte bekommen, was ich brauchte. Wonach ich suchte.
Ich war bereit für eine Bindung. Mit Theo dem Griechen.
Gute Geräte, unaufdringliche Mitmenschen, gute Erreichbarkeit, günstiger Preis… und noch dazu multikulturelle Horizonterweiterung.
Angekommen.
Ob ich zu meiner früheren Bestform jemals zurückkehren werde?
Man weiß es nicht.
Vermutlich müsste ich da täglich mehrer Stunden schwitzen. Aber ich bin ja nicht Madonna. Will ich auch gar nicht sein.
Ich werde Euch erfahrungstechnisch auf dem Laufenden halten.
In diesem Sinne:
Schönes Wochenende, meine Lieben!
Eure Miri