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Evolution der Persönlichkeit

Der Gatte: ich habe Tobias schon Bescheid gegeben wegen der Messe- Karten.

Miri: ?

Gatte: Habe eine Mail geschrieben.

 

Miri: Du hast 2 Anschläge…   pro Minute!

 

Gatte: Habe zwanzig Minuten lang getippt… da! Lies!

 

Hallo Nachbar, Wer will da bloß hin?-wo Vertreter nerven,wir haben da eine Weltneuheit,-darf es vielleicht noch ein Kaffee sein-mit Milch und Zucker vielleicht 2-3 oder doch 4 oder soll ich Ihnen den Zucker rundgefeilt in den Arsch blasen.Diese paar Zeilen haben mich doch sehr angestrengt,für weitere Ergüsse bin ich in schriftlicher Form nicht zu haben.Aber es gibt ja noch andere Methoden der Konversation, aber ich Rede hier nicht von Handy bzw. telefon.Wenn Du dich beim letzten Satz gefragt hast warum drückt er sich jetzt so vornehm aus-schönen Gruß vom Proletariat- Abbau von Bildungsprivilegien.“

 

Gatte grinst: So bin ich halt! Das bin ich!

 

Ja. Das ist er. 

Wie schön, dass er das weiß. Wie schön, wenn man weiß, wer man ist und wie man ist…

 

 

 Meine Lieben,

 „Evolution der Persönlichkeit“ sag ich da nur…

Ein schlaues Buch, das ich beim Umzug wieder fand.

 

Ja, so wie das Buch hatte auch ich mich eines Tages mal gefunden.

In einem tollen Ex-Arbeitgeber- Pflichtseminar, das mir die Grundlagen der Biostruktur- Analyse vermitteln sollte.

 

In der Tat hatte auch Daniela mal so ein Seminar.

 

Daniela?

 

Jaaaa. Sind wir nicht alle ein wenig Verkäufer?

 

Zurück zur Analyse:

Kennt Ihr noch die tollen „Was für ein Typ sind Sie?“ – Ankreuz- Tests aus diversen drittklassigen Zeitschriften?

So ungefähr stellen wir uns das jetzt auch vor.

 

Leider hatte ich irgendwann die Freude an solchen Ankreuz-Spielchen verloren.

Warum?

Weil ich immer die Mitte hatte. Immer die verdammte Mitte.

„Wie jähzornig sind Sie?“ „Wie liebenswert sind Sie?“ „Wie wetterfühlig sind Sie?“ „Was für ein Haustiertyp sind Sie? – Hund, Katze, Maus…“ „Wie hätten Sie gern ihr Toast? Schinken oder Käse? Nutella?“

Immer die Mitte. (Wollten wir nicht raus aus der Mittelmäßigkeit??? Wie dumm.)

 

Also begann ich irgendwann, die Ankreuz-Phase zu überspringen und direkt zu Sache zu kommen. Einfach mal direkt die Auswertungen lesen.

Dann allerdings macht das Ganze ja auch gar nicht mehr so recht Spaß. Irgendwie fehlte da die Spannung.

Mittelmäßig, unspannend und dann noch ohne Spaß?

Miri! Da musste weg bleiben!

 

Und nun? Saß ich da. Im Kreise vieler gespannter Gesichter; Ulli W. stand in unserer aller Mitte und rieb sich erwartungsvoll die Hände ob der uns bevorstehenden unglaublichen Enthüllungen und Erkenntnisse, die er uns nun gleich präsentieren würde (oder die sich IHM nun gleich präsentieren würden???)

 

„An anthropologist with deep insight into human behavior, Rolf W. Schirm is perhaps the first to recognize the potential of a new knowledge about the brain to benefit workers at all levels of industry- providing greater understanding of human relationship and giving increased meaning to our lives.”

wird da Paul D. MacLean im Geleitwort zitiert.

 

Ja Mensch! „giving increased meaning to our lives“ Da hätte ich mir doch das ganze Gesuche nach dem Sinn des Lebens sparen können! Ich hätte nur noch mal das Buch lesen sollen! Offenkundig hatte ich schon einen Weg zu mehr Sinn gefunden! Wie konnte ich ihn nur wieder verlieren? Und vor allem: wie konnte ich vergessen, dass ich ihn mal gefunden hatte???

Ich werde zukünftig Brotkrumen hinter mir fallen lassen- so wie Hänsel und Gretel… Moment… hatten die nicht die Vögel gefressen? Und sind die beiden nicht genau deshalb bei der alten Hexe gelandet? Wie haben sie dann hinterher eigentlich wieder zurückgefunden?

 

Tja. Hm. Zurück zum Thema. Wir dürfen gespannt sein.

 

„So. Damit wir jetzt alle erfahren, wer wir sind, gehen wir jetzt erst mal ein paar Fragen durch. Bitte kreuzen sie intuitiv an, ohne lange nachzudenken.“

 

Oha! Hatte ich da ein Dejavue? Ob ich einfach mal durchblättern sollte bis nach hinten? Ich war bestimmt wieder Mitte…

„Streng verboten!“ Ulli W. saß wie ein Schießhund am Pult und überwachte die zügige Bearbeitung ohne Herumgeblätter.

 

„So. Und nun übertragen sie die Ergebnisse auf die beiliegende Drehscheibe. Sie werden jetzt eine klare Farbdominanz erkennen, rot, blau oder grün.“

Miri: „Ähhm.“

„Wer von ihnen hat denn eine Rot- Dominanz?“

Miri: „Ähhhm. Räusper.“

„Und wer ist grün?“

Miri: „Jaaaaa. Ich weiß nicht…“

Ulli W. „Wie? Sie wissen nicht?“

Miri: Ja also- da ist keine klare Dominanz… Ich hab nen winzig minimalen Rotüberhang zu Lasten blau…“

Ulli W. „Wie? Ohhhhh! Sie haben eine Gleichverteilung!“

Miri: „Und nu? Und was bin ich jetzt?“

Ulli W. „Sie sind alles!“

 

Zur allgemeinen Info: Nicht, dass Herr Schirm die Menschen in Schubladen stecken wollte, nein, aber er erkannte, dass jeder Mensch bestimmte Dominanzen aufweist, durch die sein Handeln beeinflusst wird. Es gibt Rot-, Grün- und Blaudominanzen (neben Doppeldominanzen, Gleichverteilung und ach keine Ahnung was noch…)  Der Rote ist impulsiv und gegenwartsbezogen, der Grüne ist ein vergangenheitsbezogenes Beziehungstier und der Blaue der Planvolle, Zurückhaltende, der zukunftsorientiert denkt (also wenn ich blau bin, bin ich eher rot möchte ich meinen…na ja.).

 

Nun gut. Ich bin alles. Oder nichts? Kein Wunder, dass ich mich oft einfach nur Schitzo fühle…

„Setzen Sie ihre Anpassungsfähigkeit ein! Sie sind flexibel und diplomatisch!“ steht da.

Wie schön.

Zwei Zeilen weiter lese ich: „Wenn die Anpassung zum Prinzip erhoben wird, entartet sie zur chamäleonartigen Tarnung“

 

Und jetzt, meine Lieben, bekomme ich Angst! (Wobei ich ja persönlich nichts gegen Chamäleons habe. Sind ja irgendwie possierliche Tierchen…)

 

Bin ich ein Chamäleon? War das die Antwort auf all meine Fragen?

Daniela ist übrigens auch eine mit „Gleichverteilung“.

Da sind wir schon zwei Chamäleons…

 

Nun ja, da ich kein Prinzipienreiter bin, könnte ich diesem Vergleich wohl noch einmal entkommen.

 

Und was bin ich dann? Alles und Nichts? Jedermann und Niemand?

 

Zumindest hocke ich nicht in einer von Schirms nicht vorhandenen Schubladen.

Da ist s bestimmt dunkel drin…

 

Wären wir nun doch Chamäleons, könnten wir schön kuschelig oben auf der Kommode der Welt sitzen und Kirschkerne spucken auf all die, die versuchen hochzuklettern um in eine der ihnen zugeteilten nicht-vorhandenen dunklen Schubladen zu verschwinden.

 

Jetzt weiß ich, was ich bin! Was wir sind!

Wir sind Stars!

In einem früheren Leben haben wir für die RWE- Werbung Modell gestanden…

 

 

 

 

Gleich mal ein paar Autogrammkarten bestellen…

 

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